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Roman Lampenfieber: 7. Kapitel

Hendrik hat den Hörer in die Gabel gehängt, seine Hand verweilt noch auf dem Gerät. Er muß sich zwingen. Hendrik Kruger hebt den Hörer wieder an, wählt die Nummer, sein Ohr: „Anna Teizler.“
„Guten Morgen, Frau Teizler, Kruger hier, ich müßte mal mit ihrem Mann sprechen.“
Anna am anderen Ende der Leitung weiß, daß sich Hendriks aufgesetztes Verhalten nur auf Tarnung begründet, die Lautsprechfunktion könnte eingeschaltet sein oder sonstwas, dennoch tut es ihr weh. Für freundliche Worte hat sie schließlich immer etwas übrig.
„Ja, einen Augenblick, Herr Kruger ... Ja, Teizler, Morgen Hendrik! Wie geht´s dir denn, Junge, hab gehört du bist schon wieder raus ausm Krankenhaus. So, und jetzt sag mal, was ist gestern abend mit dir passiert...?“
„Das kann ich Ihnen nicht so genau erklären...ich hatte, so sagte der Arzt, einen Nervenzusammenbruch.“
„Mensch Junge, so was kommt doch nicht aus heiterem Himmel“, Erwin wird hitzig, „wir mußten die Vorstellung gestern absagen. Kannst du dir vorstellen wie die Leute darauf reagiert haben? Mir ist in meinem Leben noch nie etwas so peinlich geblieben. Und Arthur war plötzlich auch spurlos verschwunden, an sein Handy ging keiner ran. Ich hab sogar noch `ne Kurznachricht geschickt - alles vergebens: Wir mußten die empörten Leute an die Kassen zurückschicken und als ob die Zeit rückwärts liefe, gaben sie die Eintrittskarte ab und bekamen Geld dafür in die Hand. Ihr seid mir ja echt `ne tolle Schauspielertruppe, Arthur hat sich bisher immer noch nicht gemeldet und morgen ist die nächste Aufführung. Verdammt nochmal, ihr wollt mich wohl um Kopf und Kragen bringen! ... Hendrik, du mußt einsehen, daß ich hier die Konsequenzen ziehen muß. Schauspieler, die mir kurz vor dem Aufgehen des Vorhangs mit Lampenfieber zusammenbrechen, kann ich nicht in der Hauptrolle lassen! Du brauchst den Apoll jedenfalls nicht mehr zu spielen. Das heißt nicht, daß ich dich im Schauspielhaus nicht mehr sehen will, aber diese Rolle ist einfach `ne Nummer zu groß für dich. Es ist wohl mein Fehler, daß ich das nicht erkannt habe. Hör zu, ich werd´ mir `was einfallen lassen, jetzt hab ich erst mal genug damit zu tun, die Vorstellung morgen über die Bühne zu kriegen. Ich meld´ mich wieder bei dir.“
„Gut, Herr Teizler.“
“Ja, tschö!”
Hendrik ist wieder alleine. Was soll er mit diesem sonnigen Samstag nur anfangen, es ist noch früh, gleich erst ein Uhr. Was Marlice jetzt wohl gerade unternimmt. Ob sie immer noch in diesem Café arbeitet? Er wird nicht nachschauen. Nichts weiß er von ihr, seit dem Tage, an dem sie plötzlich verschwunden war. Hendrik war im Skiurlaub, es war schön. Nun freute er sich darauf, Marlice alles zu erzählen - naja, vielleicht nicht alles, einen Kuß auf die großen Lippen wollte er ihr aufdrücken - bis sie daran erstickte. Sie war nicht da, als er die Wohnung aufschloß, er spürte etwas Unheilvolles, öffnete die Tür zu ihrem Zimmer: es war nackt, nur weiße Wände und ein leeres Regal.
Hendrik beschließt eine Expidition in den Tierpark zu unternehmen. Bei den Affen läßt es sich besser aushalten als bei den Menschen.

Roman: Lampenfieber, 6. Kapitel

Arthur Wilhelm Kinsinger hat eine SMS auf seinem Handy. Erst morgen früh - viel zu spät - wird er darauf schauen: „HIER TEIZLER: KOMM SOFORT ZURÜCK INS THEATER - DU MUSST SPIELEN! HENDRIK IST UMGEKIPPT.“
Hier auf dem Küchentisch nimmt das Gerät gewissenhaft Meldung auf, und getreu übergäbe es diese auch seinem Adressaten, welcher Samstagmorgen, 7 Uhr, todmüde und glücklich, die Wohnungstür aufschließen und sich Kaffee machen würde. Doch aber, halblang! Es ist ja erst Freitag, kurz nach 20 Uhr. Auf dem Bedienstetenparkplatz des Theaters sitzt Arthur in seinem Porsche, wo er sich bereit macht, diese Nacht zu leben! Hendrik wird jetzt bestimmt gerade von „Mutti“ (Anita) geschminkt. Der Absahner! Gestern diese wahnsinnig gute Premiere und heute schon wieder ausverkauftes Haus. Das wird den "Schrank" aber voll machen! Ja, Hendrik wird´s noch weit bringen. Berühmt wird der, das sag ich. Arthur dreht den Zündschlüssel `rum und fährt los - er hat kein Interesse am Ruhm. Die Nacht, die den jungen Kinsinger in ihr dunkles Gewand hüllt, mag er am liebsten. Man kann sagen, er sei Schauspieler nur zum Ausgleich. Für die Berechtigung, seine Freizeit ungestraft vor den Augen anderer Leute verbergen zu dürfen. Eigentlich ist er ein Wolf, der in Wäldern herumstreifen will. In heißen Wäldern, warum nicht in tropischen Wäldern? Und zu bestimmten Zeiten, da reißt er Frauen - Anna, die Frau des Intendanten, hat eine blühende Fantasie! Sie hat ihm bei einer Zigarettedanach einmal aus ihr erzählt, von einem Stamm der Nyber, und sie ist Anastasia, eine Europäerin, die es dorthin als kleines Kind verschlagen hat - ihre Eltern, die wurden von diesen Nybern womöglich verspeist, sind ja alles Kannibalen, die im Urwald! Wo leben die denn auch? Jedenfalls hat Anna erzählt, und es verschlug ihm die Sprache. Wie kann eine so lustige, herzensfrohe Seele wie die Anna nur solch grausame Fantasien entwickeln? Die macht der Tod genauso an wie Sex, wenn es nicht schon das gleiche für sie bedeutet... Mir egal. Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, und er tritt aufs Gaspedal. Hendrik soll auf der Bühne glücklich werden und ich auf der Straße. Vielleicht wird ihn einmal dort oben der Tod ereilen, auf der höchsten Stufe, den Brettern, die die Welt bedeuten. Ich suche ihn mir lieber auf dem Asphalt!
Der Schauspieler lenkt seinen Porsche auf die Autobahn. Er raucht und hört Rockmusik, warum nicht? Arthur braucht keine Freikarten, er hat sie von Natur aus. Er ist die Freiheit.
„Jawoll!“


Samstag, 12. Februar
Fluch lastet auf Stadttheater
Nachdem letzte Woche bereits der Apoll-Darsteller Arthur Wilhelm Kinsinger bei einem Autounfall starb, schied nun auch seine Nachfolgebesetzung, Rolf Lüttgen, unerwartet aus dem Leben. Er ist einer der Opfer des tragischen Absturzes der Transatlantikmaschine vom Donnerstag.
Vergangene Woche erst sorgte der Intendant des Theaters, Erwin Teizler, schonmal für Schlagzeilen, da die zweite Aufführung des modernen Stücks spontan wegen "Künstlerversagen" abgesagt werden mußte.
"Wie ein Fluch" erscheint es den Mitarbeitern des Theaters, daß "soviel Unheil über die neue Inszennierung hereinbricht", sagt Anita Brügge, die Maskenbildnerin. Die weiteren geplanten Veranstaltungen für Ende Februar / Anfang März bleiben vorläufig abgesetzt.

Roman Lampenfieber, 5. Kapitel

Was waren das früher schöne Zeiten, noch letztes Jahr, noch vor ein paar Monaten. Seine Zweier-WG war nicht leer. Marlice hieß seine Mitbewohnerin. Was für ein tolles Mädchen! Sie war gar nicht wie die anderen sonst, gar nicht, wie er das weibliche Geschlecht eigentlich kennengelernt hatte. Eher wie ein Kumpel. Trotzdem haben sie miteinander geschlafen, wenn ihnen danach war. Sie konnte es gut. Marlice war ein männlicher Geist in einem weiblichen Körper. Sie war eine Erfinderin. Und mit ihr ficken war Sprengstoff! Hendrik verdrängt ein Bild aus Agnes Wohnug. Es war eine Aufführung, eine richtige Show! Für den einen oder anderen Abend, wo er und Marlice sonst einsam gewesen wären, griffen sie nacheinander. Ihre Freunde hielten Marlice für extravagant. Für aufgesetzt. Aber das war sie nicht. Sie schien nur keine Angst vor dem Leben zu kennen - mißachtete seine Tabus und genoß ihre Freuden.
Hendrik macht sich heute endlich sein Frühstück: Setzt Kaffee auf, schmeißt das Weißbrot in den Toaster. Die üblichen Handgriffe. Wollte er wirklich nur mit Anna frühstücken? Und dann? Auf Erwin warten und sie besprechen zu dritt in der Wohnküche, auf Hockern sitzend, Hendriks gestrigen Ohnmachtsanfall? So´n Quatsch! Alleine frühstücken macht ihm keinen Spaß. Marlice fehlt ihm jetzt. Es war jeden Morgen so lustig mit ihr. Sie war nicht im geringsten Morgenmuffel. Er ist einer. Das Mädchen hatte eine ganz besondere Art zu frühstücken. Hendrick steigt beim Nachgrübeln aus Erwins Sachen und holt seine eigenen Klamotten aus dem Schrank hervor. Marlice hat sich nicht einfach ein Brot gemacht. Kunstwerke hat sie gebaut! Die zum Verspeisen zu schade gewesen wären, wäre es nicht noch ein größerer Schmaus gewesen, sie essen zu sehen. Selbst ein Kleckern fand Hendrik erotisch. War sie es vielleicht? War das Liebe? Warum vermißt er sie so? Er weiß es nicht. Braungebrannter Toast hüpft mutig hervor. Die kleine Marlice war nicht ganz richtig im Kopf! Hendrik erinnert sich an einen Abend, da hörte er sie mit jemandem in ihrem Zimmer streiten: Zuerst dachte er, es wäre nicht weiter ernst. Doch schließlich vernahm er in Marlices Raum Glas zu Bruch gehen und sie kreischte. Hendrik stürmte rein, packte sich den Wüstling und schmiß ihn kurzerhand aus der WG, die Jacke hinter dem verdutzten Gesicht hinterher, zur Tür hinaus. Als Hendrik wieder in Marlices Zimmer kam, fand er sie schlurzend auf ihrem Bett sitzend, Hände und Haare verdeckten ihr das aufgelöste Gesicht. Er setzte sich neben sie, Wange an Wange spürte er ihre Tränen über sein Gesicht laufen. Sie behauptete, der Junge hätte sie geschlagen. Hendrik versuchte sie zu trösten und strich sanft über Marlices Rücken, deutete eine kleine Massage an, die sie sich immer so gerne von Hendrik geben ließ. Er hatte zum ersten Mal das Gefühl, sich in sie zu verlieben. Am nächsten Tag aber, Hendrik kam im Begeisterungsschwall in die Wohnung, er hatte die Stelle beim Stadttheater bekommen und erste Termine für Aufführungen standen schon fest, vergaß er, auch wegen gestern, bei Marlice anzuklopfen und brauste in ihr Zimmer. Die Musik dröhnte volle Kanne. Mit ebendemselben Typ, den er gestern zur Tür befördert hatte, tümmelte diese Marlice sich jetzt im Bett! Schon halb ihrer Kleider entledigt waren sie so heftig zu Gange, daß sie Hendrik gar nicht bemerkten. Hendrik schloß die Tür wieder, hielt sich den Kopf, ging duschen.

*

Ich bin das Geträumte. Das, was mein apollinischer Herrscher gerne wahr hätte. Ich träume davon, eines Tages zu wissen, was das ist. Liebe.

Das Telefon klingelt. Hendrik geht ran.
„Ja.“
„Hallo, hier ist Breda.“
„Wie geht´s dir“, fragen beide gleichzeitig in den Hörer und sie müssen kurz lachen.

Vita Brevis
Interessiert es mich wirklich, wie es ihr geht?
Oder will ich mir bloß alle Wünsche in meinem Leben erfüllen?
Daß ich als alter Mensch einmal darauf zurückschauen und sagen kann:
„Ja, ich habe wirklich alles Schöne mitgenommen!“
Warum werden meine alten, rissigen Hände dann leer sein?
Warum fühlen sie in ihren Flächen nicht mehr den Busen der Agnes?
Warum halten sie - dort in der Zukunft - meinen schweren Kopf, welcher runter auf das gelebte Leben blickt?

„Hendrik, ich möchte dich spielen sehen, morgen ist doch eine Aufführung!“
„Ich bin kein Apoll mehr, Breda. Der Intendant hat mich rausgeschmissen, jede Wette, und wenn er es nicht getan hat, kündige ich!“
„Was hast du nur angestellt? Mein Apoll bleibst du jedenfalls trotzdem. Wenn ich an dich denke, flattern mir die Sterne durch den Bauch!“
„Das beeindruckt mich, Breda. Aber du sollst wissen, könnte ich lieben - so schenkte ich mich einer anderen“, und er denkt an Marlice, die Verlorene.
„Das weiß ich, mein Liebes, für die Liebe reicht mir die Agnes, Hendrik, spielen sollst du! Wenn nicht für mich, dann mit mir, du, mein heißersehnter, arbeitsloser Schauspieler!“
Ist es möglich, daß gerade die Zauberformel des Lebens durch seinen Telefonhörer, in sein Ohr und in die Windungen seines menschlichen Verstandes strömt? Und er muß leise lachen, auch wenn Breda das nicht sehen kann. Zu gern verabreden sich die beiden Seelen für morgen. Sie besitzen Freikarten!

Roman: Lampenfieber, Goethe-Zitat

"Mußte denn das so sein, daß das, was des Menschen Glückseligkeit macht, wieder die Quelle seines Elendes würde?"

Johann Wolfgang von Goethe

Roman: Lampenfieber, 4. Kapitel

Rolf liegt unter Palmen und schlürft einen Longdrink aus einer Kokosnußschale. Dieser Urlaub ist genau das, was er gebraucht hat! Zwei Jahre ist er nicht mehr aus Deutschland rausgekommen - wie ungewöhnlich für einen Deutschen - das schreit doch geradezu nach Karibik! Karmen hat bis eben in der türkisen Südsee geplanscht - herrlich, könnte sie doch für immer hierbleiben. Sie sind praktisch ganz allein am Strand, Rolf betrachtet sie in ihrem Badeanzug, welch ein Geschöpf! Auf diesem Urlaub will er sie fragen. Sie sind schon zweieinhalb Jahre zusammen und er ist immer noch so verliebt, wie am ersten Tag, da er sie sah. Die niedliche Brandung umspielt Karmen die Fesseln; sie mustert einmal mehr ihren guten Fang: Aussehen ist ihr wichtig, Rolf ist sportlich gebaut - ein Athlet. Ein Diskuswerfer, wie sie mal einen als kleines Mädchen im Museum betrachtet hat. Sie liebt ihren Schauspieler mit dem festen Vertrag am städtischen Theater, betrachtet ihn, schaut verträumt zu seinen Augen hinüber und ihr fällt der Kopf leicht zur Seite. Endlich gibt es einmal nur sie zwei. Er - kein einziges Stück muß er spielen, nur lernen für die Sommeraufführung, "Adam und Eva".

In ihre lagunenblauen Augen fällt die braungebrannte Gestalt eines Eingeborenen. Er geht ulkig, ist noch weit weg aber kommt auf sie zu. Karmen kneift die Augen enger zsammen. Was trägt er denn da? Ein Tablett auf der flachen Hand, darauf liegt etwas... Rolf, der bemerkt, daß seine schöne Karmen rechts hinter seiner Bambusliege etwas fixiert hat, dreht sich um: Pepin, der höfliche Hotelangestellte von gestern. Er hat sie im parkartigen Anwesen zu ihrer neuen Behausung geführt. Eine Hütte ganz aus Bambus geknotet und mit kunstvoll verarbeitetem Palmblattdach! Was will er? Es sind keine weiteren Getränke bestellt, möchte er denn Bestellung aufnehmen - was für ein Tablett? Telefon!

*

Ich bin das Verdrängte, das, was mein apollinischer Herr und Geist aus dem Bewußtsein geschoben hat. An mich braucht er keinen Gedanken zu verschwenden. Nun, das ist mein Schicksal und meine Bestimmung. Ich lasse mir hierdurch aber nicht den Tag verdrießen. Ich genieße das Leben, wie alle es tun. Zwar existiere ich ohne daß mein Herrscher es wüßte, aber ich bin!
Ich sitze gerade im Café Delmont und es herrscht hier ausgediegene Stimmung an den Tischen. Die jungen Leute haben sich gar zu bunt untereinandergemischt. Vor mir, an dem Tisch der Wand gegenüber, schäkert eine üppige Biologiestudentin mit ihrem Lektor, der noch einen Freund mitgebracht hat. Durch eine edel gefertigte doppelte Türkonstruktion aus mittelbraun lackiertem Holz und nachtgeschwärztem Fensterglas, in dem sich die vielen Tischkerzen durcheinander spiegeln, schweben von draußen zwei Weiblichkeiten herein. Ihre Körper stecken in langen schwarzgrauen Stoffmänteln. Helleren weiten Stoff trägt die eine darunter als Hose; die andere, ihr Mantel vorne schon offen, eleganten schwarzen Rock bis an die fleischigen Waden, wo ihre Beine auf einmal in dicken grauen Strümpfen erscheinen und schließlich in schwarzen hochhackigen Lerderhalbstiefeln enden. Sie setzen sich an den letzten, im Raume diesseits der großen Theke, noch freien Tisch, vor die Biogruppe, und bestellen.
"Einmal Geschlechtsverkehr", sagt die mit dem helleren Hosenstoff - ein schwarzer Zopf baumelt ihr lustig vom Haupt -, zum jungen muskulösen Kellner hinauf. Es wackeln ihre langen Ohrringe, blitzen auf im Kerzenlicht, und sie befreit sich vom Mantel.
"Und ich hätte gern einmal die Muschi ausgeschleckt", fordert die im Rock. Ihre buschigen roten Haare sind geflochten und mit Spangen an ihren Kopf gezwungen. Sie macht sich ebenfalls mantelfrei. Der Kellner schmitzt und notiert: "Kommt sofort."
Ein Geräuschpegel ist hier - herrlich! - alle jungen, tatkräftigen Münder sprechen gleichzeitig, behauptend, wichtig, spastisch. Dazu der ruhige Dub: Moodorama, "Sinzing Sunset Boulevard“. Hier möchte ich sterben. Ich sitze hier mit Rolf, meinem langjährigen Freund. Wir waren vom ersten Augenblick an Kumpels. Wir trafen uns zum ersten Mal in der Fünf der Realschule. Wir sitzen an diesen Tischen: In der Mitte schwarzer Marmor mit weißen Schlieren darin. Außen Holz, farblich anscheinend auf das Eingangsportal abgestimmt. Rolf erzählt mir von seinen Plänen für den Urlaub. Karibik mit Karmen! Der Teizler will ihm zwar eine dritte Besetzung für den Apoll aufs Auge drücken - so wichtig scheint ihm diese Inszenierung zu sein - aber... "Nimm doch an", sage ich zu ihm. "Als dritte Besetzung ist es nicht verboten in Urlaub zu fahren. Du mußt nur erreichbar bleiben."
"Meinst du, ich will mir am Strand vom Hoteldiener ein Handy bringen lassen und da ist dann Teizler dran und sagt - entweder du brichst jetzt auf der Stelle deinen Urlaub ab und kommst hierher oder du kannst dich bei andern Schauspielhäusern vorstellen gehen - ?" Ich rate Rolf, Urlaub zu machen und die Kohle für die Rolle einzustreichen. Arthur und ich sind jung, dynamisch und kerngesund. Außerdem ist es ja nur für die ersten vier Aufführungen - es ist einfach völlig unwahrscheinlich! Wir bestellen erneut Weizenbier und ich sage dem Kellner, daß die sexuellen Spielchen der beiden Damen am Tisch gegenüber auf meine Rechnung gehen.
"Karmen werde ich aber nichts davon erzählen - sie ist manchmal übervorsichtig. Vielleicht will sie plötzlich nicht mehr. Sie freut sich so. Und ich mich auch, ich will sie fragen ob sie mich heiratet!"
Gegenüber werden Getränke serviert, der Kellner weist auf uns und die beiden Frauen schauen herüber, musternd, genau abschätzend, schauen sich gegenseitig an und ein kleines Lächeln umspielt dabei ihre Mundwinkel. Ist es verächtlich, ist es ängstlich? Sie schauen uns wieder an, ich sitze ihnen gegenüber und zwinkere ihnen zu. Rolf sitzt seitlich zu ihnen und er haßt mich jetzt. Er zeigt es nicht. Seine Lippen sind weder nach oben noch nach unten verzogen, nur gerade - und er starrt auf sein leeres Glas, das er in beiden Händen hält, in dem die Kerzen spiegelnd leuchten. Zwei Frauenkörper schimmern darin auf... Rolf fragt sich, mit welcher Miene ich das angestellt habe. Sie kommen tatsächlich an unseren Tisch. Rolf sieht es - er glaubt es trotzdem nicht! Wir schauen wie sie gleiten. Sie bewegen sich wirklich schön. Ich sitze auf einer Holzbank und diese schwingt sich kurvig weiter um den Tisch, bis dorthin, wo die mit dem schwarzen Zopf sich jetzt herniederläßt. Rolf sitzt rechts von mir, auf einem der schwarzhölzernen Stühle hier - mit dem hellen Geflecht als Sitzfläche. Auf ein weiteres Exemplar dieser Tischlerkunst preßt jetzt der mit dem Rock und dem roten Haar ihr frauliches Gesäß.
"Danke für die Einladung" und sie stellen sich vor: Links von mir rutscht Breda in ihren Stoffhosen auf dem glattpolierten Holz hin und her. Die rote Venus gegenüber ruht behäbig auf dem Bast, sie steckt sich eine Gauloises, légères, in Brand. "Ich bin Agnes", behauptet sie und pustet mir den Rauch ins Gesicht. Ich verheimliche den hübschen Visagen nun auch nicht länger Rolfs und meinen Rufnamen. Offenbare ihnen auch unseren Beruf. Alsbald schwindet jegliche Vorsicht und moralische Aufgesetztheit.
"Schauspieler, hier am Stadttheater - nein!"
"Was läuft denn gerade", meldet sich Breda zu Wort. "Ich war schon lange nicht mehr in einem Theater."
"Zur Zeit noch eine Shakespear-Aufführung. Das neue Stück läuft nächsten Monat an:
Apoll ein junger Dichtergott - Hendrik spielt darin die Hauptrolle." Die beiden schätzen mich erneut ab, ihre Augen werden größer - sie wissen es nicht, sie sind an diesem Abend schon unser Publikum! Rolf und ich spielen für sie:
Rolfs Part: "Unser Intendant verspricht sich viel von dem Stück, es ist seine Regie. Der Vorverkauf gibt ihm ja auch Recht."
Ich: "Wollt ihr vielleicht zwei Freikarten?" Zu gerne wollen sie das! Ich krame welche hervor und meine Hände schieben den teuren dünnen Karton über die Terra Marmor bis an die braunen Holzenden des runden Tisches. Links Breda, vorne Agnes. Rolf verdirbt das Spiel: "Tut mir leid, ich muß noch zu Karmen, meiner Freundin." Betont spricht er das Wort Freundin aus. Eine glatte Lüge. Karmen ist dieses Wochenende zu ihrer Familie nach Hamburg gefahren. Dort ist sie aufgewachsen und Rolf lernte sie in dieser Stadt auch kennen. Im Rausgehen trifft er den Kellner, - fast hätte er vergessen zu bezahlen - geht ab. Sichtlich enttäuscht bleiben die Mädchen mit mir allein am Tisch zurück.
"Hast du vielleicht auch eine Freundin, zu der du gleich mußt", fragt mich Breda sichtlich angesäuert.
"Nein! Verzeiht mir - es ist meine Schuld. Ich habe Rolf nicht gefragt ob er damit einverstanden ist, daß ich ich euch einlade. Er hat nur gesagt, er fände euch hübsch - und ich habe völlig ignoriert, wie sehr er an seiner Karmen hängt. Er will sie sogar heiraten."
"Und was hältst du vom Heiraten", fragt Agnes.
"Ich bin zu jung dafür" - die Frage amüsiert mich.
"Apoll, - das ist ein griechischer Gott nicht war", fragt mich Breda - nicht mehr sauer.
"Der Sohn des Zeus und der Leto!" weiß ich zu sagen.
"Wunderschön ist er, und man möchte ihn wohl für den griechischsten aller Götter halten. Er erfand die Heilkunst, außerdem ist er der Gott der Weissagung. Mit dem Bogen versteht er ebenfalls umzugehen und er entsendet seine Pfeile gegen die Giganten, die Kyklopen, selbst den gewaltigen Achilleus verschont er nicht."
Breda: "das ist ja ein Tausendsassa!"
Agnes: "Das ist längst nicht alles, von seinem erfindungsreichen Bruder Hermes erhält er eine Lyra, die dieser sich aus einer Schildkröte gebasteltet hat. Apollon ist fasziniert davon und gar trefflich singt und spielt er zur Leier: Zusammen mit den neun Musen unterhalten sie musikalisch die feiernden Götter!" - Donnerwetter wie sich Bildung und Schönheit in einem Körper vereint! - und Breda zieht mich am Arm zu sich und flüstert in mein Ohr. Ich muß sie anstarren, Breda und auch Agnes.
"Laß uns gehen", sagt schroff die Rothaarige. Sie kramen ihre Mäntel zurecht, kostümieren sich wieder darin. Breda lächelt mit zusammengepreßten Lippen.
"Kommst du mit", schaut mich Agnes an. Ungeachtet der Wortstellung klang es gar nicht wie eine Frage...

...hey, was soll das, Hendrik, laß mich doch sprechen - es ist mein Publikum!
Hendrik ist erbarmungslos zu seinem Ich. Er schließt seine Wohnungstüre auf: Niemand ist hier.

Roman: Lampenfieber, 3. Kapitel

Vom Empfang aus läßt Hendrik ein Taxi rufen. „Ahornstraße“, sagt er zum Fahrer. Eine Hochhaussiedlung türmt sich bald auf vor Hendriks dunklen Augen. Hier wohnt Anna. Hendrik geht durch die Tiefgarage in das Gebäude, vorbei an 14/5.2, dem leeren Parkplatz ihres Ehegatten. Er benutzt den Fahrstuhl bis in den vierzehnten Stock. Anna entdeckt Hendrik im Türspanner und bricht schon in Lachen aus, ehe sie die Wohnungstür ganz geöffnet hat. „Wie siehst du denn aus!“ schallt es sichtlich amüsiert aus ihr heraus. Dabei ist sie selbst keinesfalls zeitgemäß gekleidet: Es ist elf Uhr durch und Anna trägt nichts weiter auf dem Leibe, als einen schwarzen Slip und einen roséfarben seidenen Morgenrock, der ihr, in der Mitte offen, über die großen Brüste fällt. „Bitte tretet ein, Eure Durchlaucht“, scherzt sie, hüpft ihn gackernd an und drückt Hendrik einen dicken Kuß auf seine Lippen. „Ich habe solange nichts mehr von Dir gehört, mein Braunauge“, behauptet sie im vollen Ernst. Letzte Woche hatten sie erst gefickt und Mittwoch traf er sie bei den Bühnenaufbauten. Arthur unterhielt sich mit ihr.
"Was soll denn dein Aufzug? Was ist mit Deiner Stirn? Ich habe heute morgen erfahren, daß das Stück gestern abgesagt werden mußte...? Erwin ist deswegen unterwegs, er sah besorgt aus. Was ist denn passiert", fragte sie Hendrik, halb besorgt, halb in Fumeleien in seinem Rüschenhemd vertieft.
"Kann ich mich duschen?" Erwin würde noch mindestens eine Stunde brauchen, wenn er wirklich zum Theater gefahren ist.
"Ja, natürlich mein Schatz. Ich leg´ Dir ein paar Sachen von Erwin raus, dann gehörst du auch wieder zu unserem Jahrhundert!" Sie lacht, zwinkert mit den kleinen grünen Augen und tänzelt unentwegt um Hendrik herum, so daß ihr hier und da eine ihrer schweren Titten unter dem Morgenrock hervorlugt, um den Besuch auch mal zu beschnuppern.
Hendrik ist heute nicht heiter. Er versucht sich an gestern abend zu erinnern - auf einmal wollte er nicht mehr spielen. Das Duschwasser plätschert ihm angenehm heiß auf die glatte braune Haut, den dunklen Teint hat er von seinem Vater, einem Inder. Seine Muskeln sind straff geformt und heben sich gut ab von seinem kräftigen Skelett. Er läßt Wasser in seinen Mund und wieder hinauslaufen. - In der schwarz-gedimmten Masse blitzen ihn Gesichter an, er hat schreckliche Angst vor ihnen, Panik auf den Brettern. Ungespielt, wie war das? Zusammenbruch. Er dreht die Brause zu, trocknet sich ab. Die Sachen von Erwin passen in der Länge, vielleicht im Bund etwas zu weit, aber nicht viel. Duftend und adrett aussehend betritt er wieder, vorbei an der großen Küchentheke, den sonnendurchfluteten Wohnraum, in dem er erst vor ein paar Minuten von Venus im Morgenmantel begrüßt wurde. Wo ist sie? Hendriks Blick schweift über das helle Parkett: Anna hat darauf eine Kleiderspur für ihn gelegt, was ja nicht einfach ist, wenn man wie sie nur zwei Stoffe auf der Haut mit sich führt. In Richtung des Schlafzimmers liegt, von ihrem Körper ab - vor kurzem anmutig zu Boden geglitten, der Morgenmantel drapiert! Am Fuße der Dunkelheit, die den Jäger aus der offenen Schlafzimmertüre geheimnisvoll anschaut, der nächste Hinweis: Im Türrahmen, wo der flauschige Teppich beginnt, ein schwarzes Höschen. Zum Frühstück Sex. Hendrick würde jetzt lieber etwas essen. Das Schwarz starrt ihn unverhohlen an. Anna hat die Jalousien heute morgen immer noch nicht hochgezogen! Sie braucht ihren Körper doch nun wirklich nicht zu verstecken. Er ist makellos und, so denkt Hendrik - viel zu Schade zum verheiratet sein.Wenigstens führt die Besitzerin dieser vollkommenen Fleischproportionen eine, wie soll man sagen..., offene Ehe! Aus dem Zimmer klingt dumpf ein leises Rütteln, ein winziges Krachen und in eben diesem Augenblick erblickt Hendrik Annas nackten Körper, getaucht in tausend kleine Lichtstreifen. Sie sprudeln durch die nun leicht angehobene Jalousie in den Raum, machen die Luft sichtbar und umspielen die rosige Haut der Nackten wie kristallklares Wasser. Anna sieht Hendrik durch den Rahmen wie einen Apoll in ihr Liebesgemach eintreten. Sie spreizt ihre Schenkel in ebendem Tempo, in dem er auf sie zuschreitet. Das Licht fließt gar zu herrlich über ihre goldblonde Scham. Sie winkelt die Beine ein wenig an und er hört ihre kleinen Fußsohlen über das Laken streifen. Henrik spürt, wie er in Erwins Flanellhosen eine Erektion bekommt.
"Warum hast du dir denn die Sachen schon angezogen, kleines Dummerchen", sagt Anna und ihre weiße Zahnreihe blitzt im Lichtspiel.
"Zieh dich sofort wieder aus!" Hendrik befolgt diesen Befehl nur allzugern. Den Pipel lotrecht in Erwins Beinkleidern, das mutet ihn doch allzu grotesk an. Er entkleidet sich rasch, steigt aufs Bett, sein Zapfen wackelt etwas vor ihrem Spundloch, Anna ergreift sich den Emporkömmling und schon hat sie sich ihn einverleibt. Sie stöhnt an der Seite seines Kopfes, knabbert ihm am Ohrläppchen, während er rhythmisch in sie stößt. So fest sie kann hält sie ihn mit Beinen und Armen umschlungen - will ihn erdrücken, ganz in sich drücken. Auf und nieder gleitet er durch ihre herrlich heiße Paste, der Lustbrunnen gluckst und gurgelt. Heißkalte Schauer überlaufen sie, auf dem Höhepunkt der Geilheit will Hendrick - endlich spritzen - sich in der Liebesgöttin versprühen...

Tropfnaß ist der Regenwald. Eben haben sich noch die Wassermassen vom Himmel auf die riesigen Blätter der tropischen Pflanzen hinuntergestürzt. Zuerst auf die hohen Baumkronen der mahagoniehölzernen Urwaldkolosse, dann von Etage zu Etage, immer tiefer durch die schwulstige Vegetation, bis auf den dünnen Humusboden, daß sich Rinnsale, Bäche und Flüsse bilden. Schon spülen sie um die riesigen Wurzelwerke und, so plötzlich der heißkalte Schauer kommt, zieht er in diesen Fluten vondannen. Die Sonne scheint wieder und überall glitzern die Tropfen über quadratmetergroße Grünplateaus. Seltsame Geräusche erschallen, Tierschreie, urzeitliche Vogellaute, wildes Gehopse der Affen - überall raschelt es. Trommelrhythmus ist zu hören. Kräftige braune Männer klopfen in einer langen Reihe und mit ihren weiß eingemehlten, knochigen Händen auf Bambus. Mit Schlaghölzern auf ausgehölte Äste und Baumstücke, auch auf Stoßzähne, teilweise sind ihre Instrumente mit Tierhaut kunstvoll bespannt. Alle gehorchen sie ekstatisch dem Rhythmus, folgen dem Takt des Dschungels. Die höchsten Priester sind anwesend - haben ihre Meditation in den Berghöhlen unterbrochen. Sie nehmen ihre Plätze ein, auf Steintribühnen und in den Baumlogen. Der ganze Stamm der Nyber ist in Aufruhr. Diese Nacht wird erneut der Vollmond über ihre Sippe erstrahlen und Razon, der Gott der Fruchtbarkeit, hat es regnen lassen. In diesem Wasser hat er sie heute geweiht und gewaschen - damit ist beschlossen: Heute ist ein Opfertag! Heute wird sich Razon zeigen, die jüngsten Stammeskinder haben ihn noch nie gesehen. Er ist ein sonderbares Wesen: halb Mensch, halb Tier. Sein Unterkörper ist der eines Mannes, immer sind seine Gelenke in Bewegung - nie sieht man ihn ruhen. Sein unbedecketes Geschlecht schlägt hin und her in seinem schnellen Laufe. Oben ist er kein menschliches Wesen mehr. Ein dichtes Fell überzieht seine kräftige Brust, seine Arme sind Vorderläufe, die in Pranken enden. Seine Krallen sind spitz wie vom Blitz zerborstenes Holz. Sein Gesicht verunstaltet eine riesige Wolfsschnauze und er flätscht die Zähne. Wo die langen scharfen Beißreihen in seinem Rachen enden, darüber liegen tief seine schwarzen, kleinen Augen, welche schon den Anbeginn der Welt, den allerersten und seine Existenz schauten.
In einer der großen halbkugelförmigen, dunkelbraunen Hütten aus augenscheinlich unentwirrbarem Astgeflecht, in denen bis zu einhundert Stammesmitglieder Platz finden können, stehen jetzt nur einige Frauen um die entkleidete Anastasia herum. Sie salben ihre elfenbeinerne Haut, ummalen mit zu Pulver gemörsertem Smaragd ihre bergseeblauen Augen. Unter den Eingeborenen ist sie die einzige mit dieser Haut, die einzige mit dieser außergewöhnlichen Farbe der Iris. Als Kind fand sie zum Stamm der Nyber. Über ihre leiblichen Eltern weiß sie nichts; der Stamm ist ihre Familie geworden. Wie liebevoll und herzensgut sie, nicht zuletzt aufgrund ihrer wachsenden, anmutigen Schönheit, in die Stammesgesellschaft aufgenommen wurde, zeigt die übergroße Ehre, die ihr heute zuteil wird. Sie ist eine Auserwählte und darf den Harem Razons schmücken. Sie ist eine der Glücklichen und sie darf es sein, die dieses Mal den Gott durch ihren würdevollen Tod besänftigt. Sie wird den Stamm mit ihm versöhnen und es wird allen Menschen hier weiterhin gut ergehen. Wenn die Trommeln aufhören zu schlagen und die Sonne im Zenit steht, wird er kommen und sie aus dieser Welt nehmen. Bis dahin werden ihr diese lieben Frauen, einige sind in den unbeschwerten Kinderjahren zu ihren besten Freundinnen geworden, die Haare sorgsam mit Verzierung flechten und mit ätherischen Ölen ihrer Haut einschmeicheln. Wie alle sie beneiden!
Endlich treten die Frauen ins Freie: Anastasia in ihrer Mitte, in glänzendem Haar und funkelnder Haut gekleidet, rein und wie an diesem Tage erneut geboren. Alle gesunden Nyber, sogar einige, die sonst liegen und gepflegt werden müssen, haben sich vor der großen Opfertreppe, der Sterbebühne, versammelt. Welch ein schönes Opfer sie heute bringen! Schon schreitet die kleine Gruppe die Treppe empor und Anastasia fühlt unter ihrem Bauchnabel, auf dem sie die Sonne kitzelt, die Aufregung ziehen. Mit der höchsten Stufe endet die Treppe in Luft und ein schwacher, milder Wind umspielt ihre langen blondbraunen Haare und die Schleifen darin. Auf dieser letzten Stufe stehen, eingelassen in den Stein, zwei mächtige Pflöcke und die Frauen binden Anastasia dazwischen. Für den kurzen Rest ihres Lebens ziehen von rechts und links die Pflöcke mit Lianen an ihren schmalen Handgelenken. Die Freundinnen nehmen von ihr Abschied, küssen sie auf den roten Mund. Sie steht allein. Die hellgelbe Sonne kann nun nicht viel höher durch den wolkenfreien Himmel steigen. Sie schwitzt. Das Opfer sieht mit dem Blau ihrer Augen über die Eingeborenen hinweg in das Grün des Dschungels, hört über das Gemurmel des Treppenfußes die Urwaldgeräusche sich legen. Alle ihre Sinne sind scharf, erwarten Razon und den nahen Tod, den er ihr bringen wird. Kein Mann durfte sie je in ihrem Leben berühren - sie ist die Braut eines Gottes. Ihr weibliches Genital schwitzt. Da sieht sie ihn, das Wesen, aus der Tiefe des Regenwaldes kommen, den Weg bahnen durch die kreischende und zurückweichende Menge. Er tut ihnen nichts. Er weiß, daß er das beste Stück Fleisch auf der obersten Treppe angebunden vorfinden wird! Er bewegt sich so schnell, rast die Stufen zu Anastasia hinauf.
Elf mal schon hat sie als Mädchen eine Opferung von dort unten gesehen, hat den furchterregenden Gott einmal sogar beinahe berührt, als er - damals noch - an ihr vorbei hitzte, die Treppen hoch. Von unten sieht es anders aus. Das Wesen lief fort. Nun stürmt es zu - auf sie! Die Trommeln zerspringen und salben den Opferleib von innen. Sein Maul kommt immer näher und es trieft daraus der weiße Schaum zwischen den Reißzähnen hervor. Indem sie den Kopf in den Nacken wirft, streckt sie ihm die Kehle geradeaus entgegen. Das lange goldene Haar mit den darin verflochtenen Blumen und Bändern gleitet ihr strähnend bis an die Poritze. Ihre transpirierenden Schenkel bilden zwei Tempelsäulen aus Elfenbein, sind Urwaldstämme an denen der Regen hinunterperlt. Gleich hat der Minotaurus sie erreicht. Ihre Arme ziehen so fest sie können an den Fesseln, wollen an den Körper zurück. Sie spürt seinen Odem an ihrem gespannten Hals. Razon beißt zu. Der Augenblick des Todes ist gekommen.

Hendrik fühlt diese sonderbaren Sekunden des Orgasmus und es schießt aus ihm hinaus, durchströmt Annas Scheidengang und sie dreht und windet die Pussy wie ein schnurrendes Kätzchen um eine stoßweise ejakulierende Achse. Sie preßt einen Schrei hervor, wobei sie Hendriks Zähnen ihren vibrierenden Hals entgenstreckt. Zärtlich küßt er ihre Gurgel. Sie schnappen nach Luft. Sein Glied erschlafft schließlich in ihr. Sie muß ihn freigeben und während sie sich im Bett aufrichtet, um sich und ihm eine Zigarette anzustecken, tropft ihr sein Sperma wieder aus der Scheide heraus aufs Laken. Die Zigarette beruhigt den beiden ihre durchgeschüttelten Hormonhaushalte, allerdings unterbricht ein unverhoffter Adrenalienausschub ihr Vorgehen: Erwin schließt die Wohnung auf und steht schon im Wohnzimmer.
"Anna Liebes, wo bist du?" Er vermutet sie im Bad, dessen Scheiben noch halb beschlagen sind - zu heiß hat Hendrick geduscht. Dieser schlüpft gerade unter ein riesiges Plumeau und Anna häuft reichlich Plüsch und kleine Kissen auf ihn - für ein besseres Versteck ist keine Zeit. Sie bleibt neben dem Ehedieb im Bette sitzen, das Plumeau umschlingt ihr selbst noch die Hüfte bis runter an die Zehen. Vom Nabel an aufwärts bleibt sie nackt und ihre Brüste quillen ihr aus dem Rahmen hervor, den ihre Arme jetzt um das Bild ihres Torso bilden. Ein Kopfkissen im Rücken und mit den blondbraunen Haaren auf der Schulter gekräuselt zieht sie keck am Glimmstengel, beobachtet die offene Schlafzimmertüre.
Erwin betritt das Schlafzimmer: „Verdammter Hendrik Kruger!“ Anna zuckt zusammen, fast fällt ihr die Zigarette aus der Hand, Hendriks seine liegt übrigens hastig ausgedrückt im Aschenbecher auf Erwins Nachtschrank. Der junge Liebhaber schwitzt unter dem Dunkel mit weit aufgerissenen Pupillen - schwitzt mehr als bei dem soeben vollzogenen Geschlechtsakt. Erwins Blicke hasten unstet durch den Raum, über Annas Brüste, suchen ihre Augen, die im Schattenstreifen einer Jalousierippe verweilen und sehen nur ihren vollen roten Mund, den die Sonne schamlos bescheinen darf. Der Lippensaum umschließt betont ruhig die Zigarette, gibt sie wieder frei, Rauch wirbelt majestetisch und in Zeitlupe einen um den anderen Lichtstreifen entlang. Seinem optischen Spiel verloren folgend spricht der Gatte jetzt zur Seite gewand:
"Wenn ich diesen Bastard erwische, werd´ ich ihn in Stücke reißen!" Der Alfa-Fahrer ist in diesem Augenblick keine zwei Meter von seinem Ziel entfernt, welches unter der Federdecke und den Kissen, heiß verpackt, seinen Atem an Annas runden festen Schenkel kondensiert - wo das Wasser hinabperlt am glatten Baumstamm im Regenwald, Heimat der Nyber... Das beruhigende Nikotin kann der Frau nicht verhindern, daß die Nippel sich auf den Brüsten wieder aufrichten, eichelgroß und hart werden. Erwin ist viel zu aufgebracht, um etwas zu bemerken. Er läuft auf und ab, flucht und verläßt schließlich das Zimmer.
In der Wohnküche hört man Spiegeleier in der Pfanne braten. Anna gibt Entwarnung und Hendrik faltet sich schnell aus seinem feuchten Versteck, springt hastig in Erwins Garderobe, die bisher unbemerkt am Bettfuße vor sich hin döste, und verläßt die Wohnung, - nicht zum ersten Mal, über den Schlafzimmerbalkon. Abschiedskuß, dann Abgang über die Feurleiter, aufs Dach und runter mit dem Aufzug.

Roman: Lampenfieber, 2. Kapitel

Die Stadt ist an diesem kühl-sonnigen Samstagmorgen ein blitzender Brei aus Autos, Glas und aufgestylten, gut gekleideten, geschäftigen Menschen. Erwin Teizler versucht so gut es geht, seinen Alfa-Romeo durch die Blechströme zu manövrieren. Die Fußgänger, die wie dunkle Ameisen die riesigen Bürgersteige überschwemmen, kommen schneller voran als er, findet Erwin. Eigentlich ein frischer Tag, aber das dauernde Stehenbleiben und Anfahren seines Vordermannes und die dadurch entstehenden Emissionen zwingen Erwin dazu, die Klimaanlage auf Umluft zu stellen. Er telefoniert mobil, teilt Hermann Stahl mit, er könne sich eventuell verspäten. Der Kassenwart hat dafür vollstes Verständnis. Gerade als die Verbindung zwischen dem Alfa-Fahrer und seinem Zielort beendigt ist, öffnen sich vor Erwin die Karosseriefluten und er kann den trockenen Asphalt sehen! Wie durch ein Wunder löst sich der Stau vor ihm auf, und Erwin verfrüht sich sogar noch. Es ist elf Uhr durch, Erwin findet Hermann im großen Saal; am Bühnenrand unterhält sich dieser mit Arthur Wilhelm Kinsinger. Was ein solcher Name nicht gleich verrät: Kinsinger ist die zweite Besetzung der Hauptrolle in dem gerade angelaufenen Stück "Apollo - Ein junger Dichtergott". Fliegender Wechsel: Arthur Wilhelm packt seinen Beutel und geht ab. Erwin gesellt sich nun zu seinem Kassenwart. Hermann zwinkert mit seinen kühlgrauen, engen, aber doch eine gewisse Heiterkeit ausstrahlenden Augen hinunter zu Erwin, was soviel bedeutet wie "Guten Morgen". Erwin ist an die Einsachtzig groß, dennoch überragt ihn Hermann um mindestens eine Kopflänge. Dazu besitzt er, im Kontrast zu seinem sanften Gemüt, die Statur eines Schrankes, was ihm am Theater einen Spitznamen eingebracht hat. Wenn jüngere Schauspieler ihre Gage einmal mehr zu schnell verpraßt haben, heißt es nicht selten: "Biste mal wieder pleite?" "Nee, mein Geld liegt noch im Schrank!"
Dieser Hermann Stahl also eröffnet das Gespräch: "Die finanziellen Verluste des gestrigen Abends bewegen sich ja gerade noch im verträglichen Rahmen. Was viel schlimmer wiegt, ist der Skandal. So eine Sache ist einfach unglaublich rufschädigend!"
"Wir haben eine Verantwortung, Hermann. Daß die Regionalblätter darüber wie Hyänen herfallen würden, war ja abzusehen, aber heute morgen rief mich Gerda von Hamburg aus an, einige überregionale Zeitungen wollen es diese Woche auch noch bringen!"
"Eine Blamage für unsere Stadt."
"...und eine Blamage für uns", wirft Erwin heftig ein, schließlich ist er der Intendant.
"So etwas darf einfach nicht passieren! Ab sofort wird kein Stück mehr aufgeführt, ohne daß eine zweite Besetzung die ganze Spieldauer über anwesend ist!"
"Du tust ja gerade so, als wäre Theater ein Fußballspiel - und wenn ein Spieler gefoult wird, holt man einen neuen von der Ersatzbank...?"
"Ich habe diesen Hendrik Kruger für ein äußerst zuverlässiges junges Nachwuchstalent gehalten. Die Premiere lief so fantastisch, dieser rasende Beifall am Ende einer Vorstellung - Standing Ovations, das gehört mir zu den glücklichsten Momenten, obwohl es natürlich die Schauspieler sind, denen der Beifall gilt und die ihn auch verdienen. Was war gestern nur mit Hendrik los?"
"Laß uns am besten zu ihm ins Krankenhaus fahren und ihn einfach fragen."
"Vor zehn Minuten habe ich dort angerufen. Sie haben ihn bereits wieder entlassen. Bei ihm zu Hause geht auch keiner ran. Wir müssen wohl warten bis er zu uns kommt!"
"Hendrik ist jedenfalls raus aus dem Stück", beschließt Erwin, indem er es sagt, "seine noch übrige Gage behältst du ein. Der soll froh sein, wenn wir ihn nicht verklagen. Ich werde Rolf leider aus dem Urlaub zurückholen müssen, es geht nicht anders, daß ein Ersatzspieler unersätzlich ist, sehen wir ja."
"Anita hat mir gestern, als der ganze Rummel vorbei war, erzählt, Hendrik habe so stark geschwitzt, daß die Schminke kaum auf seinem Gesicht haften blieb..."
"Der Notarzt meinte, Hendrik habe extrem niedrigen Blutdruck gehabt und er weise typische Schocksymptome auf?"
"...Anita sagte, Hendrick hatte etwas, was sie in so starker Form seit ihrer Zeit beim Laientheater nicht mehr erlebt habe, - sie sagte, Hendrik hatte Lampenfieber!"

Roman: Lampenfieber, 1. Kapitel

Hendrik schweigt.
Die Mutter kreischt auf den Kleinen ein. Der Vater hebt drohend den Finger.
Hendrik weint nur. Seine Eltern schweigen jetzt auch.


Die Vorstellung muß wegen Künstlerkrankheit heute leider ausfallen. Das ausverkaufte Haus ist empört. "Unerhört!" "Ich will mein Geld zurück." Masse, überallemaßen entrüstet. Man sieht ihre vielen Mäuler spucken und schimpfen, verzogene Fratzen, wo man hinschaut; und soviel Lärm, dann Stille. Endlich. Allein.

Hendrik erwacht in weißem Raum. Rechts von ihm sind zwei große Fenster gekippt. Kühle Februarluft und helle Morgensonne zieht herein. Er hört Vögel, immer machen ihre Gesänge Hendrik glücklich. Er lauscht den Geschöpfen ein paar Sekunden, ist ihnen ein unsichtbares Publikum. Hendrik vergißt sie wieder und denkt an sich: Wo bin ich? Er schlägt das weiße Laken ein wenig zurück, hält inne. Jemand hatte ihn ausgezogen und in ein weißes Nachthemd gesteckt!
Der Raum, in dem er sich befindet, ist so weiß, daß es Hendrik blendet, niemand außer ihm ist hier. Nach links über den Bettrand geschaut verengt sich sein Zimmer bald zu einem dunklen Gang, an deren rechter Wand er noch einen billigen Wandspiegel wahrnimmt. Darin schimmert der Ausgang. Die Tür ist weiß, wie alles hier, aber in diesem schwachen Licht erscheint sie ihm grau. Hinter dieser Tür kann er jetzt Geräusche hören, abgedämpft, Leute reden, abgeschwächt, rascheln, ein fernes Poltern, ein Telefon schrillt wie unter einer Bettdecke versteckt, so verhalten. Dann dieser Geruch nach Formaldehyd... Kein Zweifel. Er ist zwar schon seit seiner Geburt in keinem mehr gewesen, dennoch weiß Hendrik, er befindet sich augenblicklich in einem Krankenhaus! Er untersucht sein Bett nun etwas genauer. Zu beiden Seiten, lose und runtergeklappt, gibt es Gitter. Der junge Mann im Nachthemd, morgen wird er vierundzwanzig, beugt sich gerade soweit unter seine Matratze, daß er nicht hinausfällt, betrachtet kopfüber die Rollpfosten aus weiß lackiertem Metall und schwarz herunterhängende Lederriemen - alles sah schon benutzt aus.
Ein Türgeräusch, Hendriks Pupillen weiten sich langsam wie in Zeitlupe, sehen falschrum weiße Sandalen und mit dünnweißen Söckchen bedeckte Knöchel einer Frau darin laufen. Er sieht größere Schuhe, weiß, weiße Hosenbeine fallen darüber. Die weißen Strümpfe dieses Herrn kann er nicht sehen, dafür den Rockzipfel eines Arztkittels. Hendrik beschließt, sich wieder aufzurichten, um den ersten Besuch des Tages in Empfang zu nehmen. Das Unterfangen erweist sich jedoch als schwieriger als angenommen. Blut ist ihm in den Kopf gelaufen und das wiegt jetzt. Endlich wieder aufrecht begrüßt ihn der Arzt, der an seinem linken Bettrand Stellung bezieht. Die Schwester tritt nur hin und wieder schemenhaft gebeugt hinter dem großen Kittel des Arztes hervor, sie scheint irgendwelche Ampullen vorzubereiten. Eine schwarze Haarsträne, zu lang oder zu kurz, rutscht ihr dabei aus ihrer Spange und baumelt störend vor der Nase. Der Arzt, währenddessen er Henrik routiniert das Stetoskop zwischen die (sich dabei von selbst öffnende) Knopfleiste seines Hemdes und auf die unbehaarte glatte Brust des Jünglings schiebt: "Guten Morgen Herr Krüger, ich mö..."
"Ich heiße Kruger, Hendrik Kruger, mit u!"
"Ja, Herr Kruger, die Umstände, unter denen sie gestern Abend bei uns eingliefert wurden, sind, da sie ja jetzt wieder ganz munter scheinen - sind nicht weiter bedenklich und bedürfen keiner stationären Folgebehandlung. Sie hatten lediglich einen Nervenzusammenbruch."
"Was hatte ich - ...?"
"Vorübergehender Bewußtseinsverlust, Sie erlagen gestern einer Ohnmacht und fügten sich durch Sturz eine Platzwunde über dem linken Auge hinzu." Erst jetzt fällt Hendrik auf, daß sein Kopf bandagiert und eine Kompresse um seine Stirn gebunden ist. Unwillkürlich und verwundert faßt seine Rechte an das Textil.
"Ein Herr Titzler rief Ihnen gestern den Notruf, der sie hierherbrachte. Er dachte wohl zunächst an Schlimmeres, wegen der Platzwunde", so spricht der Arzt weiter, und beiläufig: "Ja - das viele Blut, das beeindruckt den Laien." Hendrik starrt geradeaus ins leere Weiß und versucht, sich an gestern abend zu erinnern. Es will ihm nicht recht gelingen.
"Sie können das Krankenhaus aber bereits heute wieder verlassen." Der Arzt legt plötzlich ein heiteres Gesicht auf und fügt dem Gesagten noch hinzu: "Wenn Sie das nächste Mal in Ohnmacht fallen wollen, sorgen Sie besser dafür, daß genug Leute um Sie herumstehen, die Sie auffangen. Trinken Sie bitte, was Schwester Anke Ihnen an Ihr Bett stellt. Das wird Sie erfrischen. – Denken Sie daran, bevor Sie gehen, sich an der Rezeption abzumelden."
Er läßt sich auf einem Schreibbrett Hendriks Unterschrift geben. "Ich wünsche noch einen schönen Tag", worauf der Arzt sich unverwandt umdreht und anschickt zu gehen. Schwester Anke schiebt einen Rolltisch mit einer Vitaminampulle darauf schwankend an sein Bett, erhöht die Ablage durch einen Mechanismus und bringt so das Getränk in Hendriks Greifnähe. Anschließend tippelt sie schnell, ohne ihn einmal angesehen zu haben, dem Doktor hinterher. Hendrik hört die Tür zufallen, er ist wieder allein. Für wie lange wohl? Etwas verstohlen schaut ihn der Vitamindrink an. Hendrik hat eigentlich nichts gegen eine Erfrischung einzuwenden, dennoch wagt er es nicht, die Ampulle anzurühren. Die Sonne versteckt sich ein wenig hinter den Wolken und es wird gleich gehörig dunkler in seinem Zimmer. Was für ein Glück, daß er privat versichert ist, sonst hätte man ihn bestimmt in ein überfülltes Fünfbettzimmer verfrachtet. So allein aufzuwachen, ist ihm schon lieber. Er steigt endlich aus dem Bett, findet im weißen Schrank gegenüber seine Sachen von gestern abend. Es ist sein Theaterkostüm: beiges Rüschenhemd, schwarze Kniehose, lange Leinenstrümpfe, schwere Halbschühchen und der ockerfarbene Frack! Toller Aufzug, denkt Hendrik. Schminke hängt ihm auch noch auf Brauen und Wimpern. Ich muß ja aussehen! Es gibt ein kleines Bad, vom schmalen Flur des Zimmers aus zu erreichen. Hendrik schminkt ab.

Lampenfieber

Rocknroll

Canadian Rye